Susan Meister erschoss sich Ende Juni 1971 – sie war Mitglieder der paramilitärischen Sea Org von Scientology.

Russel Miller schrieb in seinem Buch Bare-Faced Messiah darüber: „Susan Meister, eine 23-jährige Frau aus Colorado, war im Herbst 1970 zu Scientology und im Februar 1971 zur Mannschaft der Apollo (dem Flaggschiff des Psychokults – Anm.) gestoßen. Sie war durch Freunde zu Scientology gekommen, als sie in San Francisco gearbeitet hatte.

Blog 1 Apollo

Als sie auf dem Schiff ankam, war sie eine typische, eifrige und optimistische Bekehrte. Sie schrieb oft nach Hause und drängte ihre Familie, Scientology ebenfalls beizutreten. ‚Ich hatte gerade eine Auditing Session‘, schrieb sie am 5. Mai. ‚Ich fühle mich großartig, großartig, großartig und mein Leben expandiert, expandiert und es ist alles Scientology. Beeilt euch! Macht schnell, schnell. Seid gut zu euch – fangt noch heute damit an. Es ist wertvoller als Gold, es ist das beste, was euch jemals, jemals, jemals passieren kann. In Liebe – Susan‘

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„In ihrem nächsten Brief vom 15. Juni hatten die Verschwörungstheorien von Hubbard offensichtlich schon Eindruck auf sie gemacht: ‚Ich kann euch nicht genau sagen, wo wir sind. Wir haben Feinde, die … nicht wollen, dass wir Erfolg haben und den Menschen hier auf diesem Planeten Freiheit und Selbst-Bestimmtheit zurückgeben. Wenn diese Leute herausfinden würden, wo wir uns gerade befinden, würden sie versuchen uns zu zerstören.‘

Zehn Tage später, als die Apollo im marokkanischen Hafen Safi vor Anker lag, sperrte sich Susan Meister in ihrer Kabine ein, presste einen 22er Revolver an ihre Stirn und drückte ab. Man fand sie um 19.35 Uhr auf ihrem Bett liegend. Sie trug das Kleid, das ihr ihre Mutter zum Geburtstag geschickt hatte. Ein Abschiedsbrief lag am Fußboden.

Die lokale Polizei wurde verständigt, doch alarmierte der Tod eines amerikanischen Bürgers auch das amerikanische Konsulat und setzte die Apollo damit genau der Aufmerksamkeit aus, die Hubbard seit Jahren zu vermeiden versuchte. In Befolgung von Hubbards oft wiederholter Doktrin, ging die Sea Org zum Angriff über. Susan Meister, die auf ihre Freunde eher ruhig und reserviert gewirkt hatte, wurde als instabile ehemalige Drogenabhängige portraitiert, die schon mehrere Selbstmordversuche unternommen hatte. Man deutete an, dass kompromittierende Fotos von ihr gefunden worden waren.

Diese Verleumdungstaktik wurde alsbald auch auf William Galbraith, den US-Vizekonsul in Casablanca, ausgeweitet, der nach Safi gekommen war, um Nachforschungen zu dem Vorfall anzustellen. Am 13. Juli wurde auf dem Schiff herumgeführt. Danach warf man Galbraith vor, das Schiff bedroht zu haben – ‚Er sagte, dass Nixon die CIA beauftragen würde, das Schiff zu versenken oder anderswie zu sabotieren, wenn es zu einem Ärgernis oder einer Peinlichkeit für die Vereinigten Staaten werden würde‘. Galbraith hatte zudem angeblich über Scientology gesagt, dass das ein ‚Haufen Verrückter‘ wäre und spekuliert, dass das Schiff möglicherweise als Bordell oder Casino oder für Drogentransporte genutzt werden würde.

Am nächsten Tag schickte der Kapitän der Apollo einen Brief an den US-Senat, in dem er sich darüber beschwerte, dass Galbraith damit gedroht hatte, ‚die Besatzung des Schiffes – 380 Männer, Frauen und Kinder, von denen viele Amerikaner sind – zu ermorden‘. Weitere Briefe gingen an den Generalbundesanwalt John Mitchell, an den Geheimdienst und Kopien sämtlicher Schreiben an den Präsidenten Nixon, der gerade im Watergate-Skandal versank.“

Blog 1 George Meister

George Meister (Foto), der Vater von Susan, versuchte noch jahrelang Licht in den Selbstmord seiner Tochter zu bringen – vergeblich …