Quentin wurde am 6. Jänner 1954 als zweites Kind in der dritten Ehe des Commodores mit Mary Sue geboren – und schied am 12. November 1976 durch Selbstmord aus dem Leben.

In den etwas mehr als 22 Jahren durchlebte er alles, was man in Scientology erleben kann. Vor allem wenn man der „Stammhalter“ des Führers ist.

Bllog 6 Diana, Quentin, Suzette, Arthur
Die Hubbard-Kinder: Diana, Quentin, Suzette und Arthur …

Quentin verlebte die ersten Jahre seines Lebens in den USA, dann in England und schließlich ab Ende der 1960er-Jahre auf einer Mini-Flotte, die aus drei Schiffen bestand, im Mittelmeer kreuzte und wo der paramilitärische Arm von Scientology agierte: die Sea Org. Wie damals viele Kinder von Scientologen, die auf den Schiffen angeheuert hatten, war Quentin seit frühester Jugend ein Mitglied dieser Paramilitärs. Von seinem Vater war er darüber hinaus zu dessen Nachfolger ausgewählt worden – sozusagen Hubbard II.

Aber Hubbard hatte die Rechnung ohne Quentin gemacht, der im wahrsten Sinne des Wortes andere Pläne hatte und sich dann das Leben nahm – eine andere Möglichkeit gab es nicht, aus dem Spinnennetz seines Vaters zu entkommen.

Russell Miller schrieb in seinem Buch Bare-Faced Messiah darüber: „Der 14jährige Quentin sollte Auditor werden, konnte dafür jedoch im Vergleich zu seiner Begeisterung für Flugzeuge wenig Interesse dafür aufbringen. Man konnte ihn oft sehen, wie er das Deck mit ausgestreckten Armen entlanglief und hoch stieg und sich wie in einem imaginären Luftkampf wieder senkte, während seine Lippen die entsprechenden Motorengeräusche nachmachten.“

Blog 6 Suzette und Quentin
Suzette und Quentin Hubbard …

„Quentin war im Januar 1971 siebzehn Jahre alt geworden und tief unglücklich. Er arbeitete als Auditor und bettelte seinen Vater oft an, das Schiff verlassen zu dürfen, um Flugstunden zu nehmen. Ruhig und introvertiert wie er war, wurde er hinter vorgehaltener Hand als ‚windiger Typ‘ bezeichnet, denn niemand wollte laut aussprechen, was alle vermuteten: dass er homosexuell war. Hubbards Abscheu für Homosexuelle war in seinen umfangreichen Schriften nur zu gut dokumentiert. Daher gab es auch keinen Scientologen, der es je wagen würde, mit ihm darüber zu sprechen, dass die sexuelle Orientierung seines Sohnes derart war.“

„Quentin Hubbard, inzwischen zwanzig Jahre alt, begann mit den Tänzern zu proben und genoss es so sehr, dass er den Fehler machte, seinem Vater zu sagen, dass er gern Tänzer werden wollte. ‘Oh nein, das wirst du ganz sicher nicht’, antwortete Hubbard. ‘Ich habe andere Pläne mit dir.’ Damit war die Diskussion zu diesem Thema beendet und Quentin durfte nicht mehr länger proben. Bald darauf machte er einen kläglichen Selbstmordversuch, als das Schiff in Funchal auf Maderia an den Docks lag.“

„‘Er ging an Land und war dann für eine Weile verschwunden’, sagte Doreen Smith, ‘und während die Leute ausschwärmten, um ihn zu suchen, kam er einfach wieder an Bord. Ich ging zu ihm in die Kabine, um nachzuschauen, ob alles mit ihm in Ordnung wäre und fand ihn in seiner Koje liegend. Er lächelte mich an und ich sagte: ‚Hallo, wie gehts dir?‘ Er antwortete: ‚Nicht so gut, mein Magen ist völlig durcheinander.‘ Dann gestand er mir: ‚Doreen, ich habe etwas ganz furchtbares getan. Ich habe einen ganzen Haufen Pillen geschluckt.'“

Doreen lief danach zu Hubbard und sagte: ‘Quentin hat Pillen geschluckt.’ Hubbard brauchte keine weiteren Erklärungen. Er ließ Doreen Senf aus der Küche holen und mixte ihn in ein Getränk, das er dann Quentin zu trinken gab. Der Junge erbrach sich mehrmals und wurde dann zur Erholung in die Krankenabteilung gebracht. Sein Vater sandte eine Nachricht dorthin, dass Quentin, sobald er wiederhergestellt sei, dem RPF (Straflager von Scientology) zugewiesen werden sollte.“

Blog 6 Diana und Quentin
Diana und Quentin Hubbard …

„Quentin wurde am 28. Oktober 1976 um 9.32 Uhr in Las Vegas gefunden: Er war über dem Lenkrad eines weißen Pontiac zusammengesackt, der neben der Sunset Road am Rande des Begrenzungszaunes der Nord-Süd-Landebahn des McCarran-Airports geparkt war. Alle Wagenfenster waren nach oben gekurbelt und ein weißer Schlauch eines Staubsaugers führte vom Auspuff zu einem der hinteren Fenster. Papiertaschentücher waren zwischen dem Schlauch und dem Rahmen des Fensters hineingestopft worden und der Motor lief noch.“

„Officer Burns von der Stadtpolizei Las Vegas traf zuerst am Schauplatz ein. Er riss beide Wagentüren auf und stellte fest, dass der junge Mann drinnen zwar bewusstlos, doch noch am Leben war – wahrscheinlich, weil der Schlauch vom Auspuff gerutscht war. Er trug keinerlei Identitätsnachweis bei sich, und am Auto waren die Nummernschilder abgeschraubt worden. Es war außer einem tragbaren Grundig-Radio, einer Einkaufstasche mit verschiedenen Kleidungsstücken und einer offenen, halb leeren Flasche Tequila nichts im Wagen. ‘Der Wagen sah so aus, als ob die Person drinnen geschlafen hätte‘, stellt der Polizeibericht fest. ‘Die Person selbst war ungekämmt, die Kleidung war schmutzig und man könnte das Erscheinungsbild als das eines Obdachlosen oder Landstreichers beschreiben. Ein weißer Mann zwischen Mitte und Ende 20. Die Person wurde mit der Ambulanz ins Southern Nevada Memorial Hospital gebracht.”

„Da niemand wusste, wer er war, wurde Quentin als ‚John Doe‘ ins Hospital eingewiesen. Die einzigen Identitätsmerkmale, von denen das Hospital berichten konnte, waren sein rotes Haar und sein roter Schnurrbart. Er erlangte das Bewusstsein nicht mehr und starb am 12. November um 21.15 Uhr. Der Polizeibericht vermerkt bei ihm ‚Möglicherweise Selbstmord‘.“

„Am Montag, den 15. November, begann der Untersuchungsrichter von Las Vegas Nachforschungen anzustellen, um hinter die Identität  von ‚John Doe‘ zu kommen. Sein Wagen, der beschlagnahmt worden war, wurde überprüft. Man fand einen Smog-Aufkleber der Florida Highway Patrol, ebenso die Identifikationsnummer des Wagens. Ein Telex der Zulassungsbehörde Floridas brachte zu Tage, dass der Wagen von einem Quentin Hubbard, wohnhaft in 210 South Fort Harrison Avenue, Clearwater, zugelassen worden war. Die Beschreibung des Wagens als auch die des toten Mannes wurde mit der Bitte um Überprüfung an die Polizei von Clearwater gesandt.“

„Am Morgen rief ein Beamter der Polizei von Clearwater in Las Vegas an und informierte seine Kollegen dort darüber, dass die Adresse 210 South Fort Harrison Avenue das US Hauptquartier von Scientology war. Kathy O’Gorman, die Beauftragte von Scientology für Öffentlichkeitsarbeit, weigerte sich jedoch, ihm irgendwelche Informationen zu Quentin Hubbard zu geben. Der Beamte sagte, dass die Polizei von Clearwater ‚viele Probleme‘ mit Scientology hätte. Soweit er wisse, lebe ihr Gründer, L. Ron Hubbard, auf einer Jacht in der Bay.

„Das Guardian Office hatte jedoch schnell reagiert, um die Situation ‚handzuhaben‘. Ihr lokaler Repräsentant war der Besitzer eines Boxstalls im Sands Hotel namens Ed Walters. ‘Ich arbeitete ungefähr acht Jahre als verdeckter Agent für sie”, sagte er. ‘Ich hatte insgeheim einen Psychiater auf Band aufgenommen und ihn dazu gebracht, über Lobotomie zu sprechen, um ihn so zu diskreditieren. Ich hatte die Treffen der Gesellschaft für Geistige Gesundheit von Clark County verwanzt – solche Dinge eben. Als sie herausfanden, dass Quentin hier war, wurde ich beauftragt, alle ärztlichen Unterlagen über ihn zu beschaffen. Es gab einen klaren Beweis dafür, dass er, kurz bevor er gefunden wurde, homosexuellen Kontakt gehabt hatte. Sie wollten nicht, dass irgendetwas davon nach außen drang. Es gab da ein Mädchen im Hospital, die auf einem Schlüsselposten saß: Sie besorgte mir alle Berichte über Quentin und ich leitete sie an das Guardian Office (der damalige Geheimdienst von Scientology) weiter.‘”

„Am Donnerstags betrat Arthur Maren das Büro des Untersuchungsrichters in Las Vegas und stellte sich als Direktor für Öffentlichkeitsarbeit von Scientology vor. Er sagte, er könnte den Körper zweifelsfrei identifizieren und um 11.25 Uhr bestätigte er, dass ‚John Doe‘ der 22jährige Quentin Hubbard war. Maren sagte, dass Quentins Eltern sich nicht in den USA aufhielten, sondern sich auf einer Weltreise befänden. Maren ging im Büro des Untersuchungsrichters in den nächsten Tage ein und aus und versorgte diesen mit Informationen, die dazu dienen sollten, von weiteren Nachforschungen über Quentins Tod abzulenken. Er überredete den Untersuchungsrichter sogar dazu, die Todesursache in einer Pressemitteilung als ‚unbestimmt‘ zu bezeichnen. Quentin war angeblich in Las Vegas gewesen, um sich die Erfordernisse zur Einschreibung in einer Flugschule zu holen.“

„Am Montag, den 22. November, stellte sich eine junge Frau namens Mary Rezzonico vor, die eine Vollmacht, unterschrieben von L. Ron Hubbard und Mary Sue Hubbard, vorwies. Damit beanspruchte sie die Herausgabe seiner sterblichen Überreste und seiner Habseligkeiten. Rezzonico sagte, sie habe die Unterschriften ‚an einem nicht näher bezeichneten Ort in Irland‘ persönlich von ihnen bekommen. Quentin wurde am nächsten Tag im Palm Krematorium in Las Vegas verbrannt.“

(Anmerkung: Hubbard war zu dieser Zeit abgetaucht, aber in den USA. bzw. in der Nähe von Clearwater, Florida, seine Frau Mary Sue entweder in Clearwater oder in Los Angeles.)

Blog 6 Quentin Hubbard 2

R.I.P. Quentin …

“Ed Walters: ‘Ich wusste, dass er homosexuelle Probleme hatte, doch er war ein guter Bursche. Er war einfach ein junger, sanfter Bursche, nicht der rücksichtslose und sture Typ. Er hatte schon einige Zeit lang mit Scientology aufhören wollen, aber in Scientology kann man nicht einfach so aufhören. Du ziehst dich zurück und wirst umgehend zum Feind. Er wusste, dass sein Vater jeden brutal attackierte, der ihn betrogen hatte, und er wusste, dass ihn das Guardian Office als Verräter verfolgen würde. Er war in Scientology aufgewachsen und hatte vermutlich furchtbare Angst vor der Welt da draußen. Er wurde einfach nicht damit fertig.‘

Dazu noch ein Video …

Fotos: Scientology-Publikationen (4)