Debrah Kitching war eine der ermittelnden Beamten, die in der Nacht des 8. September 1985 in das Dominguez Valley Hospital in Compton gerufen wurden, um den Fall einer Frau zu untersuchen, die sich mit vier Schüssen umgebracht hatte. Und obwohl so viel Zeit vergangen und Kitching mittlerweile in Pension ist, kann sie sich noch sehr gut an den Fall erinnern: „Es hat etwas mit Scientology zu tun, nicht?“

Ja, hat es, denn Florence „Flo“ Barnett war nicht nur Scientologin, sondern auch die Mutter von Shelly und die Schwiegermutter von David Miscavige. Shelly und David hatten 1981 geheiratet und David stand 1985 mitten im Machtkampf um Scientology.

Warum der Selbstmord von Flo Barnett letztendlich noch immer nicht wirklich aufgeklärt ist, hat einen einfachen Grund: Sie hat sich mit einem Gewehr auf “artistischste” Art und Weise erschossen – und niemand verfolgte diese Spur bzw. hatte Interesse daran.

„Wenn du deprimiert bist und dein Leben beenden möchtest, wirst du dir dann mit einer Ruger 10/22 (Foto) drei Mal in die Brust und dann noch einmal in den Kopf schießen?“ Debra Kitchener war erstaunt, dass sie nie jemand danach gefragt hat. „Ich glaub einmal hat doch jemand gefragt. Eine Tochter oder ein Angehöriger sandte eine briefliche Anfrage.“

Blog 11 Ruger 11-22

Im September 1985 war die ganze Angelegenheit sehr rasch erledigt und die Gerichtsmedizinerin Joan Shipley stellte Selbstmord als Todesursache fest und ließ die „Umstände“ des Selbstmords außer Acht. Unberücksichtigt blieb auch der Umstand, dass Barnett an den Handgelenken Verletzungen aufwies, die auf einen kürzlich verursachten Selbstmordversuch hinwiesen. Aber man beließ es bei den vier Schusswunden, von denen der Schuss in den Kopf sofort tödlich war – Bob Havercroft vom Sheriff’s Office schloss die Akten: Selbstmord.

Tony Ortega von der Village Voice stöberte Havercroft auf, der mittlerweile auch pensioniert ist, und auch er konnte sich sofort daran erinnern: „Es war sehr, sehr, sehr ungewöhnlich. Aber es war ein Selbstmord.“

Aber wie eine 1,58 m große und zierliche Frau ein Gewehr derart akrobatisch auf sich selbst abgefeuert haben soll – und das gleich vier Mal -, konnte auch Havercroft nicht wirklich erklären: „Wir haben es nachgestellt und keinen Grund gehabt, weiter zu ermitteln.“

Ortega fand dann ein Indiz, welches die Verwicklung von Scientology zeigt: Flo Barnett hatte sich vor ihrem Tod einer Splittergruppe von Scientology angeschlossen und lehnte die Führerschaft von Miscavige ab. Wie bei Scientology üblich wurde sie danach als Suppressive Person bzw. Squirrel bezeichnet und aus Scientology ausgeschlossen.

David Miscavige bemerkte zum Tod von ihr nur: „Die Hexe hat das bekommen, was sie verdient hat!“

Robert Vaughn Young, ein Ex-Scientology, sprach in einer Gerichtserklärung ebenfalls die vielen „Sonderbarkeiten“ an und Vicky Aznaran, eine weitere Ex-Scientologin, sprach wiederum den Umstand an, dass es für David Miscavige „mehr als nur unschicklich war, dass seine Schwiegermutter eine Abweichlerin war.“

In einer Eidesstattlichen Erklärung gab David Miscavige bei einer anderen Gerichtsverhandlung zu Protokoll, dass er nichts mit dem Tod seiner Schwiegermutter zu tun gehabt hätte.

Offen ist aber nach wie vor die Frage, wie es Flo Barnett geschafft haben soll, vier Mal auf sich zu schießen – drei Mal in die Brust und einmal in den Kopf?

Hier noch der Link zum Artikel in der Village Voice

 

Fotos: Village Voice (2)