Der 39-jährige Shawn Lonsdale wurde am 16. Februar 2008 tot aufgefunden – er hatte am Auspuff seines Autos einen Schlauch angebracht und diesen durch ein Fenster in sein Haus geführt, wodurch sich dieses mit Kohlenmonoxidvergiftung füllen konnte, an dem Lonsdale verstarb. Soweit das Szenario und für die Polizeisprecherin von Clearwater, Elizabeth Daly-Wat, war es dementsprechend klar: Lonsdale hatte Selbstmord verübt.

Für Scientology-Kritiker war das nicht so klar, sie wollten an einen Selbstmord nicht so recht glauben: Es sei schwer vorstellbar, dass sich Lonsdale die Mühe gemacht hat, den Gartenschlauch vom Auto ins Haus zu ziehen. „Hätte er sich umbringen wollen, hätte er sich doch einfach im Auto umgebracht“, schrieb ein Blogger.

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Klar war dagegen, dass Lonsdale vor seinem Tod ein Stachel im Fleisch von Scientology war. Er wollte ursprünglich ein Filmprojekt über Obdachlose realisieren und stieß dabei auf Scientology, das in Clearwater überproportional präsent ist: Rd. 8 % der Bevölkerung (Einwohner Clearwater: 106.000 Personen) sind Scientologen, dazu kommen noch die Scientologen aus aller Welt, die nur einige Wochen da sind. Neben Los Angeles ist Clearwater das zweite Zentrum von Scientology in den USA.

Scientology war schon beim ersten Zusammentreffen auf Lonsdale aufmerksam geworden, als er während einer Ratsversammlung in Clearwater einige Fragen stellte und mit Scientologen zu diskutieren begann. Die Scientologen verfolgten ihn danach bis nach Hause und ab dem nächsten Tag konnte er immer wieder einen Wagen beobachten, der stundenlang vor seinem Haus parkte und ihn observierte.

Danach engagierte Scientology Privatdetektive, die das Lebens Lonsdales durchleuchteten und eine Jugendsünde von ihm fanden: Er hatte gleichgeschlechtlichen Sex in der Öffentlichkeit und wurde deswegen angezeigt. Lonsdale hat das nie bestritten – „Ich war jung und brauchte Geld, also habe ich mich prostituiert!“ – aber Scientology begann nun systematisch gegen ihn vorzugehen: In Geschäften wurden Plakate aufgehängt, um die Bevölkerung vor dem Triebtäter zu warnen, sein Vermieter wurde informiert, im Internet wurden seine Polizeiakte publiziert und seine Eltern wurden angerufen, um sie darüber zu unterrichten, dass ihr Sohn dringend psychologische Hilfe benötigen würde.

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Diese Aktionen wurden natürlich nicht von Scientology selbst ausgeführt, sondern von einer von Scientologen gegründeten Cleveland Street Safety League.

2006 arbeitete Lonsdale mit dem Lisa McPherson Trust zusammen, einer Vereinigung von Scientology-Kritikern, die den Tod von Lisa McPherson aufklären wollten, und machte Bekanntschaft mit einer weiteren Facette von Scientology: Der Scientologe Michael Fitzgerald griff Lonsdale tätlich an und wurde zunächst verhaftet – dann schlug die Staatsanwaltschaft die ganze Sache nieder, indem anmerkte, dass dies nicht ahndungswürdig gewesen wäre.

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2007 interviewte der BBC-Reporter John Sweeney Lonsdale, bekam dabei selbst einen unmittelbaren Eindruck von den Methoden von Scientology im Hinblick auf Kritiker und dem „Leben“ von Shawn Lonsdale im Speziellen, als er für BBC Panorama die Dokumentation Scientology and Me (Scientology – die Kirchensekte) drehte. Shawn Londale tritt ca. ab ab Minute 16:00 auf …

Und während sich Sweeney nach seiner Scientology-Erfahrung „in den Kofferraum eines Autos zurückwünschte, das auf der Flucht vor den Schergen irgendeines ’normalen‘ Diktators war“, ließ sich Lonsdale davon in seiner Tätigkeit nicht beirren, filmte weiter Scientology-Veranstaltungen, Scientologen usw., veröffentlichte die Filme – und war dann plötzlich tot.

Es gab Freunde, die sagten, dass er seiner Tätigkeit müde geworden war. Es gab Freunde, die sagten, dass er neue Pläne für die nahe Zukunft wälzte und sicher nicht vorgehabt hat, Selbstmord zu begehen. Und dann gab es Freunde, die überhaupt nicht glauben wollten, dass er Selbstmord begangen hätte. Für sie stand fest, dass die Polizei in Clearwater gar nicht an der Aufklärung interessiert war – die meisten Polizisten wären selbst bei Scientology!

Dass Shawn Lonsdale tot ist, steht fest – wie er starb nicht.

R.I.P. Shawn Lonsdale!

Abschließend noch zwei YouTube-Filme als Tribute to