Man kann heute noch eine „Best of“-CD kaufen, die 2008 erschienen ist. Und das, obwohl sie schon seit 1991 tot ist. Durchsucht man das Internet, findet man kaum einen Anhaltspunkt über den Grund ihres Selbstmordes. Auch ihre Biografie auf Wikipedia hält nur fest, dass sie „ab Ende der 1980er-Jahre zunehmend an Depressionen zu leiden [begann]. Am 18. Februar 1991 fand man sie erhängt in ihrem Haus.“

In einem Artikel der Freizeit-Revue aus dem Jahr 1991 findet man dann doch einiges mehr: „Plattenproduzent Klaus Hildebrandt: ‚Ich habe den Tod meiner Frau von der Kripo sofort auf Mord untersuchen lassen. Aber die Art und Weise, – das klingt jetzt sehr grob – wie sie hing, als sie gefunden wurde, weist auf Selbstmord hin. Der Seelenterror jedoch, die Gehirnwäsche auf Grund der gefundenen Unterlagen, deuten klar darauf hin, dass man ihr eintrichterte: Das ist die einzige Möglichkeit, mit dem Problem fertig zu werden. Meine Frau wollte raus aus der Sekte.‘ …

Hildebrandt hatte lange Zeit keine Ahnung, dass seine Frau der Sekte verfallen war. ‚Ich war völlig unbedarft‘, sagt er. ‚Denn wir hatten eine Ehe geführt, wo jeder machen konnte, was er will. Deshalb wusste ich auch nicht, dass Renate ständig bei den Scientologen war‘. Dass etwas faul war, erfuhr Hildebrandt von einem befreundeten Lehrerehepaar. ‚Die erzählten mir, dass Scientology sogar schon in meinem Studio produziere, warnten mich und fragten, was ich mit denen zu tun habe. Ich sagte ‚Nichts! Die Renate ist zurzeit bei denen, macht dort Seminare‘. … ‚Und dann knallte es natürlich hier im Hause. Das war, als sie von Hamburg zurückkam und völlig glücklich sagte: ‚Jetzt hab‘ ich’s! Ich will zum Clear gehen!‘ Das war der berühmte Knall, wo ich sagte: Entweder Clear-Sekte oder Ehe Hildebrandt. Aber ich glaube, da war es schon zu spät.‘

Wie alle anderen Mitglieder nahm Renate Kern auch an den sogenannten Reinigungsprozessen teil, schluckte Tabletten vom sogenannten ‚Purity-Pack‘. … ‚Der Verfall meiner Frau war so rapide. Ein Verfall innerhalb sechs Wochen.‘

CD 2008

In der Weltwoche aus dem gleichen Jahr erschien ein weiterer Artikel: „Sonntagabend dachte Klaus-Dieter Hildebrandt, 47, nun habe seine Frau es endgültig geschafft. Die beiden tranken noch eine Flasche Sekt, die Gläser ließen sie stehen. Ich nehm‘ sie morgen weg‘, sagte die Frau. Sie tat es nicht Sie wird es auch niemals mehr tun. Sie ist tot.

Renate Kern, 46, Ehefrau des Plattenproduzenten Hildebrandt, erfolgreiche Schlager- und Countrysängerin (Du musst mit den Wimpern klimpern) hat sich an einem Balken des rustikalen Hauses in Hoyerswege/Oldenburg erhängt, kaum dass ihr Mann am Montag das Haus verlassen hatte.

Warum dieser Selbstmord? Midlifekrise, verblassender Ruhm? Oder Eheschwierigkeiten? Freunde bestreiten das: Er war so besorgt um sie!‘ Sorgen hatte es für Hildebrandt genug gegeben wegen seiner Frau.

Vor zwei Jahren wurde sie depressiv. Suchte sie Hilfe bei der umstrittenen Sekte Scientology- Kirche. Der Sekte, die keine Kirche‘ ist, sondern ein Verein, straff darauf organisiert, möglichst viel Geld zu erwirtschaften, wie Kritiker sagen.

Im August 1989 wurde Renate Kern selbst für Scientology aktiv, warb für die Sekte, versuchte, andere ‚von dem Positiven, das ich dort erlebe‘, zu überzeugen. Ihren Ehemann überzeugte sie nicht. Behutsam versuchte er, sie von der Sekte zu lösen. Vergeblich: ‚Die waren dauernd am Telefon, setzten Renate unter Druck.‘ Schließlich stellt er sie vor die Wahl: ‚Die Sekte oder ich! Dies halten wir beide nicht aus!

Renates Nerven machen nicht mehr mit, sie geht in eine psychiatrische Klinik in Bremen, fühlt sich besser, kehrt heim. Aber da bleibt die Sekte, da bleibt wohl auch der Druck, Am Tag vor Weihnachten 1990 rettet sie sich wieder in die Klinik. Am Freitag vor ihrem Tod darf sie nach Haus. ‚Gebessert und nicht Selbstmordgefährdet‘, wie die Ärzte sagen, die heute einräumen, Renate habe sie ‚getäuscht‘.

Sie habe nur nach Hause gewollt, um durch den Tod der für sie unlösbaren Situation zu entgehen. Sie liebte ihren Mann, wollte ihn nicht verlieren. Aber sie konnte auch von der Sekte nicht lassen.

Hat sie von den Scientologen einen ‚Trennungsbefehl vom Ehemann‘ erhalten? Rechtsanwalt Dr. Ralf Abel, 48, aus Schleswig, der viele Sektenopfer vor Gericht vertrat: ‚Gut denkbar. Jedenfalls ist ihr Tod schon der zweite Selbstmord in vier Wochen in diesem Milieu.‘

‚Würde sie noch leben, wenn ich nicht gesagt hätte: die Sekte oder Ich?‘ fragt sich der verzweifelte Ehemann. Kenner der Sektenszene versuchen zu trösten: In die Situation des ‚Entweder – Oder‘ hatte die Sekte sie doch längst gebracht. Ausweglos! Da wählte sie den Tod.“

Foto: Freizeit Revue