Die Französin Gloria Lopez (Foto) hatte Scientology Mitte der 90er-Jahre kennengelernt und rund 250.000 Euro in diese „Erfahrung” investiert. Maître Rodolphe Bosselut, der Familienanwalt, verortet den Ausbruch der Krise im Juli 2006, als Gloria Lopez in Kopenhagen war, dem europäischen Hauptquartier der Psychosekte, genannt Advanced Organisation Saint Hill Europe (AOSH EU).

In den Monaten vor ihrem Selbstmord war Lopez gemäß ihrer beiden Kinder depressiv gewesen. Ehemalige Arbeitskollegen beschrieben eine dramatische Veränderung ihrer Gemütslage, nachdem sie aus Kopenhagen zurückgekehrt war: „Sie war sehr introvertiert und wirkte traurig und gedankenverloren“.

In ihrem Nachlass fand man einen Arbeitsvertrag, den sie anlässlich ihres Juli-Aufenthaltes in Kopenhagen unterzeichnet hatte: Es war ein Standardvertrag der paramilitärischen Sea Org, der eine Laufzeit von einer Milliarde Jahre hat. Ihre Familie wusste nicht, dass sie vorhatte, diesen „Dienst“ anzutreten, aber auch nicht, dass sie geplant hatte, wieder nach Kopenhagen und danach nach Clearwater/Florida zu gehen, um weitere Scientology-Kurse zu absolvieren.

Die 47-jährige Gloria Lopez beging am 21. Dezember 2006 Selbstmord, indem sie sich in der Station Colombes vor einen Hochgeschwindigkeitszug warf. Im Jänner 2007 hätte sie ihren „Dienst“ bei der Sea Org in Kopenhagen antreten müssen.

2011 stellte das Gericht die Untersuchungen ein, da es die Auffassung vertrat, dass nicht genügend Beweise vorliegen würden, um einen Fall darzustellen. Nachdem die Familie dagegen Rechtsmittel einlegte, wurde ein weiterer Untersuchungsrichter eingesetzt, der den Fall erneut aufrollen sollte.

Maître Rodolphe Bosselut befürchtet nun, dass auch diese Untersuchungen eingestellt würden, da drei Schlüsselpersonen, die als Zeugen befragt werden sollte, von der Polizei nicht ausfindig gemacht werden können und der zuständige Richter in den nächsten Wochen entscheiden muss, ob es zur Anklage kommt oder nicht.

Bei diesen handelt es sich um drei Scientologinnen, die in das Leben und Sterben von Gloria Lopez involviert gewesen waren …

Julliete Wagner-Quercia

Julliete Wagner-Quercia (Foto) hatte Lopez zu Scientology gebracht und hatte während der ersten Jahre einen starken Einfluss auf diese ausgeübt. Sie arbeitete mittlerweile in der Sea Org in Kopenhagen und war der Kontakt für Lopez in der Sea Org.

Elisabeth Haley war die Auditorin von Lopez in Kopenhagen und schrieb nach dem Juli 2006 zweimal an Lopez, um sie dazu zu bewegen, wieder nach Kopenhagen zu kommen. Es geht aus ihren Briefen hervor, dass sie wusste, dass Lopez in Schwierigkeiten war.

Danielle Ambert

Danielle Ambert (Foto), eine hochrangige Scientologin (OT VIII) in Frankreich, war als eine Art finanzieller Beraterin für Lopez aktiv gewesen. Man kann davon ausgehen, dass Ambert als sogenannter Field Staff Member für Scientology gearbeitet hat und zwischen 10 und 15 % der Summen, die jemand an Scientology bezahlt, als Provision erhielt.

Gwenn le Berre, der Sohn von Gloria Lopez: „Da sind die Personen, die Bescheid wissen. Da gibt es jene Personen, die dafür bezahlt werden, um diesen Betrug zu ermöglichen. Und dann gibt es klarerweise jene, die davon profitieren!“

Hier noch der Blog von TonyOrtega mit dem Originaltext von Jonny Jacobsen …

Fotos: Tony Ortega (3)